Zwei Filmtipps zum Jahresende

Who Am I - Kein System ist sicher

Ein kleiner, unvorsichtiger Hack ins Computersystem der Uni, um der Angebeteten Marie einen Gefallen zu tun – und schon wird der Computernerd Benjamin zu fünfzig Sozialstunden verurteilt. Ausgerechnet bei dieser Strafarbeit lernt der junge Mann, den bislang nie irgendjemand beachtet hat den coolen Max kennen. Auch Max liebt das Herumspielen mit Codes, die Manipulation von Computern und Menschen. Durch ihn lernt Benjamin auch dessen Kumpels Stephan und Paul kennen und wird bald zum festen Mitglied ihrer Hackertruppe. Sie träumen sie davon, so berühmt-berüchtigt zu werden wie der Superhacker MRX, ein Phantom, dessen wahre Identität niemand kennt und der große Szenestar der dunklen Abgründe des Internets. Nach einem ebenso dreisten wie waghalsigen Einbruch in der BND-Zentrale scheint ihr Wunsch Realität zu werden. Doch schnell wird Benjamin klar, wie gefährlich dieses Spiel ist. Ein Hacker stirbt. Und die einstige digitale Spaßguerilla, die sich den Namen CLAY gegeben hat, steht auf einmal ganz oben auf den Fahndungslisten.

Baran bo Odar hat ein Gespür für eine ästhetisch ansprechende Inszenierung, wie sie im deutschen Kino selten ist. Perfekt imitiert Odar den Stil eines Hollywood-Thrillers und schafft damit eine schillernde Oberfläche für seinen futuristischen und doch auch ganz in der Gegenwart verwurzelten Genrefilm. Der Film strotzt nur so vor popkulturellen Anspielungen, erzählt temporeich über Nerd-Coolness und fließende Identitäten und hinterfragt zudem unsere alltäglichen Kommunikationsmittel ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Hier geht's zum Film

Citizenfour

Die investigative Filmemacherin Laura Poitras hat sich mit ihrer Trilogie über Überwachung und Terrorangst in den USA nach 9/11 bereits einen Namen gemacht, als sie im Januar 2013 eine verschlüsselte E-Mail erhält. Hinter dem Pseudonym „Citizenfour“ verbirgt sich niemand geringeres als der Whistleblower Edward Snowden, der kurz nach seinen weltweit aufsehenerregenden Enthüllungen über illegale Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA in Hongkong politisches Asyl fand. Nun bietet Snowden der Filmemacherin hochbrisante Insider-Informationen an, die er aus dem Land geschmuggelt hat. Was aus heutiger Perspektive in der Bezeichnung „NSA-Affäre“ öffentlich weltweit bekannt ist, war zu diesem Zeitpunkt noch absolutes Neuland. Im Juni 2013 fliegt Poitras mit dem Enthüllungsjournalisten Glenn Greenwald und dem Geheimdienstreporter des Guardian Ewen MacAskill nach Hongkong. Sie treffen den blassen jungen Mann in einem geheimen Hotelzimmer. In langen Gesprächen entsteht nach und nach ein tiefer Einblick nicht nur in das unfassbare Ausmaß der globalen Überwachungspraktiken sondern auch in die persönliche Fallhöhe, die Snowden mit seiner mutigen Aktion auf sich nimmt.

Ein spannendes Stück Zeitgeschichte, in dem die Realität und die erschütternde Faktenlage die Fiktion weit überholt, sodass der gesprächsgeprägte Dokumentarfilm spannungsmäßig einem Politthriller in nichts nachsteht.

Hier geht's zum Film

Zurück