„Ganz großes Kino“

Ganz im Sinne der amerikanischen Schauspielerin Meryl Streep, die feststellte, dass Filme und das Kino Menschen nicht belehren, sondern berühren sollen, ging am vergangenen Sonntag das diesjährige Bundesfestival Video zu Ende. 40 Produktionen von jungen und älteren medienbegeisterten Filmemachern hatten zuvor die ca. 500 Zuschauer und Gäste angerührt, zum Nachdenken bewegt, ihnen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert oder zu Diskussionen herausgefordert.

 

Das Festival löste damit exakt das ein, was die Preisstifter und Organisatoren – Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bzw. das Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF) – konzeptionell vorgedacht haben: Die beiden bundesweiten Wettbewerbe Deutscher Jugendvideopreis und Video der Generationen sollen Menschen Generationen übergreifend ermutigen, ihren filmischen Ideen, ihren Gefühlen, Sorgen und Hoffnungen mittels Animations-, Spiel-, Dokumentar- oder Kurzfilm Ausdruck zu verleihen.

 

Filme als Mittel gesellschaftlicher Teilhabe

Diese Form der aktiven Medienarbeit erfüllt somit zwei wesentliche gesellschaftliche und kulturelle Anliegen. Zum einen wird mit dem Formulieren von Standpunkten und Weltsichten erreicht, dass Meinungen und Diskussionsbeiträge in die gesamtgesellschaftlichen Diskurse einfließen und das demokratische Gemeinwesen fördern. Zum anderen wird mit dem Selbst-Filmen eine Kulturtechnik bzw. Kunstform gestärkt, die den Filmemachern selbst aber auch ihren Zuschauern Werte und Orientierung anbieten bzw. deren ästhetische und filmtechnische Bildung erweitern.

 

In diesem Jahr hatte die Zahl der Einreichungen mit 754 Produktionen fast einen neuen Rekord erreicht. Für das KJF Beweis, dass der Film bei jungen und älteren Menschen auch heute noch ganz oben auf der Liste der attraktivsten Medien steht. Besonders anziehend erweist sich der Film, wenn eigene Produktionen umgesetzt werden, denn neben dem erforderlichen technischen Wissen werden gruppendynamische Lern- und Sozialisationsprozesse ausgelöst, die in ihrer persönlichkeitsbildenden Wirkung kaum ein anderes ebenbürtiges Mediengenre finden.

 

Jahr für Jahr sind so mehrere Tausend Filmemacher aktiv, entwickeln Geschichten, bilden Teams und setzen ihre Ideen filmisch um. Auf diese Weise entstehen Produktionen, die keiner anderen Vorgabe als der eigenen Begeisterung folgen. Entsprechend authentisch, überraschend und in diesem Sinne merk-würdig sind die Ergebnisse. Die Filme, die in den beiden Wettbewerben des KJF entstehen, sind in dieser Form wohl weder im Fernsehen noch im Kino zu finden.

 

 Dabei werden inhaltlich oft klassische Jugendthemen behandelt, die von Liebe, Sexualität und Partnerschaft über die Angst vor einem Außenseiter-Dasein bis zu Fragen der Beziehung zu Familienmitgliedern reichen. Jährlich werden darüber hinaus neue Schwerpunkte oder Akzentuierungen gesetzt, die ein Spiegelbild gesellschafts- und jugendpolitischer/jugendkultureller Diskussionen sind. 2009/2010 zählten hierzu beispielsweise die Beschäftigung mit Zeitzeugen der DDR-Gesellschaft, Ökologie oder der Umgang mit anderen Religionen. Zudem bieten die Veranstalter jeweils Sonderthemen an. In diesem Jahr konnten sich die Teilnehmenden zu „Wunderland“ (Deutscher Jugendvideopreis) und „Es gibt viel zu tun“ (‚Video der Generationen‘) eigene Gedanken machen. Die formale Umsetzung deckte dabei alle Genres ab.

 

Die Teilnahme an den Wettbewerben lohnt sich dabei doppelt, denn das Bundesministerium und Sponsoren stiften insgesamt 19.000 Euro als Preisgeld.

 

Die Ausschreibungen für die nächste Runde der beiden Wettbewerbe Deutscher Jugendvideopreis und Video der Generationen werden ab November veröffentlicht. Die Teilnehmer können ihre Produktionen dann bis zum 15. Januar 2011 beim verantwortlichen KJF einreichen. Das Bundesfestival Video wird im kommenden Jahr im thüringischen Gera gastieren.

 

Infos: www.kjf.de | www.jugendvideopreis.de | www.video-der-generationen.de

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