„Kinder dürfen nicht im ‚falschen Film’ sitzen!“

Die aktuelle Debatte um die FSK Altersfreigaben unterstreicht die Bedeutung pädagogisch begründeter Altersempfehlungen

Fast alle Eltern kennen die Situation. Sie wollen mit ihrem Nachwuchs ins Kino gehen, wissen aber nicht, ob der ausgewählte Film geeignet ist. Im Kinoprogramm und den Anzeigen in der Tageszeitung finden sie auf die Frage nach der Eignung für ihr Kind meist nur die Freigabe der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK). Doch die wenigsten Eltern wissen: Das FSK-Kennzeichen ist keine Altersempfehlung für den Film, sondern soll lediglich Schädigungen verhindern.

 „Wir brauchen dringend eine bessere Kommunikation von Altersempfehlungen, die pädagogisch begründet sind, perspektivisch vielleicht sogar ein neues Kinder- und Jugendfilm-Siegel“, fordert daher Dr. Eva Bürgermeister, Leiterin des Kinder- und Jugendfilmzentrums in Deutschland (KJF). Sie erläutert das so genannte FSK-Missverständnis: „Was vom Gesetzgeber als untere Schutzgrenze für Kinder und Jugendliche gedacht ist, verwechseln Eltern, Jugendliche und Kinder oft mit einem pädagogischen Tipp.“

 Schon im Jahr 2008 diskutierten bei einem Fachtreffen auf Einladung des KJF namhafte Filmkritiker, Medienpädagogen, Jugendschützer, Branchenvertreter und Festival-Organisatoren über Chancen und Grenzen bei den Altersangaben für Kinder- und Jugendfilme. Sie stellten fest, dass Eltern und selbst Pädagogen oft nicht die notwendigen Orientierungsangebote erhalten oder kennen, um einen geeigneten Film für Kinder und Jugendliche auszuwählen.

Das Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland ist seit Jahrzehnten auf Kinder- und Jugendfilme spezialisiert und hilft bei der Auswahl geeigneter, altersgerechter Filme, die einen Bezug zur Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen haben.

Die Online-Portale „Top-Videonews.de” (für Jugendliche ab 12 Jahren) und das am 26. November 2010 an den Start gehende Portal „Kinderfilmwelt.de“ (für 6- bis 12-jährige) sind unabhängig, fachlich fundiert und ganz auf die Medienbedürfnisse junger Menschen zugeschnitten. Bei „Kinderfilmwelt.de“ werden Kinder einen sicheren Surfraum mit einem stets aktuellen Wegweiser durch das umfangreiche Filmangebot im Kino und auf DVD, einschließlich spezifischer Altersempfehlungen finden.

Zur Zeit arbeitet das KJF an der Erstellung einer Expertise zur pädagogischen Altersempfehlung für Kinderfilme im Kino als Ergänzung zum Jugendmedienschutz. Hierfür wird eine Bestandsaufnahme existierender Altersempfehlungen vorgenommen und die Art der Kennzeichnungen, Hinweise zu Kriterien und Verbreitungsmedien zusammengefasst. Daraus werden die für eine pädagogische Altersempfehlung grundlegenden Faktoren abgeleitet, um einen fundierten Kriterienkatalog zu erarbeiten, der als Rüstzeug bei der Erstellung von medienpädagogisch begründeten Altersempfehlungen dienen soll.

 „Unser Ziel ist es, die kulturell so wertvollen und prägenden Kinobesuche unserer Kinder zu einem tollen Erlebnis zu machen. Sie und ihre Eltern sollen dabei möglichst viel Positives mitnehmen. Wenn wir möchten, dass unsere jüngsten Zuschauer zielgerichtet in für sie besonders geeignete Filme gehen, müssen wir noch aktiver werden. Wir dürfen es uns nicht leisten, dass Kinder überfordert, gelangweilt oder enttäuscht werden und so ein schlechtes Gefühl zum Kino entwickeln, weil sie wortwörtlich im falschen Film sitzen“, erklärt Christian Exner, wissenschaftlich pädagogischer Mitarbeiter im KJF.

Remscheid, Oktober 2010

Pressemitteilung als Pdf

Hier hören Sie ein Radiointerview mit dem Lokalsender Oldenburg eins in Oldenburg mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des KJF - Herrn Christian Exner.


Kontakt:
Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF)
Küppelstein 34
42857 Remscheid
www.kjf.de

 

Tel. 02191 794233
Fax: 02191 794230

 

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