Subjektiv durchs Objektiv

700 eingereichte Filme erzählen 700 Geschichten, Bundeswettbewerbe ‚Deutscher Jugendvideopreis‘ und ‚Video der Generationen‘ mit erfrischenden Einblicken in gelebte Jugend- und Alltagskultur

700 Filmteams erzählen in ihren 700 eingereichten Filmen ihre jeweils eigenen Geschichten. Jährlich gestatten sie dem Publikum damit einen unverstellten Blick auf ihre Befindlichkeiten, Wünsche, Hoffnungen und Sorgen. Insbesondere die Filme zum ‚Deutschen Jugendvideopreis‘ sind im Laufe der 25-jährigen Geschichte dieses Wettbewerbs zum unerschöpflichen Fundus jugendkultureller Themen und Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen geworden.

In beiden Wettbewerben sind einerseits inhaltliche Konstanten zu beobachten. Im Bereich ‚Deutscher Jugendvideopreis‘ sind dies u. a. die Themen Partnerschaft/Liebe bzw. Lebensperspektiven. Die Filmemacher im Wettbewerb ‚Video der Generationen‘ beschäftigen sich häufig mit Zeitzeugen-Projekten oder Reisefeatures.

Andererseits überrascht jeder Jahrgang mit jeweils neuen Fragen, Sichtweisen und technischen Umsetzungen. So beschäftigen sich in diesem Jahr einige Filme mit körperlichen und psychischen Krankheitsbildern. Darüber hinaus wurden Filme vorgelegt, die Stereotype und Vorurteile aufbrechen wollen. Ein dritter Themenschwerpunkt behandelt Gewalterfahrungen in der Schule bzw. im Elternhaus.

Der Trend zum Genre Dokumentarfilm hält an. Ob das Thema Orientierungslosigkeit in einer schnelllebigen und komplexen Welt, Genderfragen oder Fantasien vom Leben in einer anderen/besseren Welt – die verschiedenen Themen werden häufig dokumentarisch umgesetzt. Eine zweite häufig verwendete Umsetzung stellt über alle Altersklassen der Animationsfilm dar.

Im Wettbewerb ‚Video der Generationen‘ werden Migranten oft zu zentralen Protagonisten der Handlung. Neben dem engeren Thema der Integration in die deutsche Gesellschaft werden dabei Alltagsprobleme dieser Familien, wie z. B. Alter oder Krankheit thematisiert. Zudem wurden in diesem Jahr einige Zeitzeugen-Projekte vorgelegt, die nicht mehr die Zeit des Holocaust in den Mittelpunkt rücken, sondern die Bewegung der 1968er.

Ein dritter Themenschwerpunkt findet sich in Generationen übergreifenden Fragen des sich gegenseitig Verstehens und Helfens. Auch hierbei überwiegen dokumentarische Umsetzungen des Filmstoffs. Jan Schmolling, stellv. Leiter des Kinder- und Jugendfilmzentrums und dort verantwortlich für die Bundeswettbewerbe: „Wir freuen uns über die große Vielfalt der eingereichten Produktionen, über die wirklich ungewöhnlichen Ideen und subjektiven Standpunkte, die man in den ‚normalen’ Medien oftmals so sehr vermisst. Das technische Niveau ist dank der HD-Kameras und des souveränen Filmschnitts oftmals kino- und fernsehreif.“

Professionelle Medien und deren Erzählweise beeinflussen nicht selten die Themenwahl und die Gestaltung der eigenen Filme. So wird beispielsweise der Rahmen bekannter Casting-Shows gewählt – inhaltlich aber mit eigenen Ideen und einer immer erfrischenden und überraschenden Filmsprache gefüllt. Aus Sicht des KJF liegt auch darin eine reflektierende Grundhaltung der Filmemacher auf kulturelle, politische und wirtschaftliche Erscheinungen und Entwicklungen unserer Zeit.

Zum Bundesfestival Video

Zur PDF

Zurück